Methodik & Datenmodell
Unter der Oberfläche.
Der Datenatlas übersetzt Quellen in strukturierte Aussagen, verbindet Orte mit Ereignissen und macht historische Informationen für Karten, Zeitachsen und Auswertungen lesbar.
So bekommt Wissen eine Adresse.
Jeder zentrale Datensatz erhält eine stabile Kennung. Sie macht ein Objekt eindeutig referenzierbar und schafft die Grundlage für Verknüpfungen zwischen Bauwerken, Ereignissen, Quellen und Kulturorten.
SA-KD-004 bezeichnet die Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus.
EV-007historisches EreignisS14QuelleSA-KO-008KulturortSA-DZ-001DenkmalzoneHK-…historische KennzahlMethodeDie Kennung ist die Adresse einer Information im Atlas.
1097 ist das Urkundendatum. Die Geschichte dahinter ist komplexer.
Der 11. Juli 1097 ist als Datum einer frühen urkundlichen Erwähnung Sankt Aldegunds überliefert. Die Urkunde ist im Mittelrheinischen Urkundenbuch, Band I, Nr. 392 dokumentiert.
Der Diplomatiker Theo Kölzer bewertet dieses Stück als Spurium: In der Urkundenforschung bezeichnet der Begriff hier eine später hergestellte Urkunde, die unter dem Namen eines früheren Ausstellers überliefert wurde.
Kölzer ordnet das Stück paläographisch derselben Schreiberhand zu wie eine compositio von 1182. Paläographie untersucht historische Schriftformen und Handschriften; Buchstabenformen, Schreibgewohnheiten und Schreiberhände können dadurch miteinander verglichen und zeitlich eingeordnet werden.
MethodeÜberlieferung und fachliche Einordnung werden gemeinsam lesbar.
1473, 1710, 1765: Ein Haus in drei Zeitschichten.
Das Christophorushaus in der Christophorusstraße 10 trägt mehrere präzise Zeitmarken. Der Datensatz bildet diese Baugeschichte als Entwicklung ab.
- historischer Kern
- Erweiterung durch einen Nebenbau
- Datierung des Wappens
Alte Kirche · Datierung
spätes 12./frühes 13. JahrhundertUmbauten bis 1762/63
Analyseanker
1200 für zeitliche Sortierung und VisualisierungDer Analyseanker ergänzt die überlieferte Datierung um einen maschinenlesbaren Bezugspunkt. Gleichzeitig bleibt die Kirche dem 12., 13., 14. und 18. Jahrhundert zugeordnet. So können Zeitachse und Baugeschichte dieselben Daten aus unterschiedlichen Blickwinkeln lesen.
MethodeHistorische Zeit kann Zeitraum, Bauphase, Jahrhundertzuordnung und Analysewert zugleich tragen.
2022: 530, 526 und 580 Einwohner.
Alle drei Werte gehören zum Datenbestand. Ihre Aussage wird durch Stichtag, Quelle und Erhebungszusammenhang bestimmt.
Die drei Zahlen beschreiben unterschiedliche Messsituationen desselben Jahres. Im Atlas bleiben sie mit ihrer jeweiligen Herkunft und zeitlichen Einordnung verbunden.
MethodeEine Zahl wird zusammen mit Stichtag, Quelle und Bezugsrahmen verständlich.
Aus einem Zeitraum wird eine berechenbare Größe.
Beim Brunnenstübchen nennt die Quelle für eine Zubringerleitung den Zeitraum 2010 bis 2013. Der Atlas kann daraus für eine Auswertung vier berührte Kalenderjahre ableiten.
Quellenangabe und Analysewert bleiben als getrennte Provenienztypen erkennbar. So ist sichtbar, welche Information übernommen wurde und welcher Wert durch eine dokumentierte Berechnung entstanden ist.
Quellenkritische Korrektur
31.000 Mark – weil 1899 die Mark galt.
Eine Quelle nennt die Kosten der Wasserleitung für 1899 mit 31.000 „Reichsmark“. Im Deutschen Kaiserreich hieß die Währung zu diesem Zeitpunkt Mark. Die Bezeichnung Reichsmark wurde erst 1924 mit dem Münzgesetz zur offiziellen Währungsbezeichnung.
Der Atlas führt den historischen Betrag deshalb als 31.000 Mark und dokumentiert zugleich die Formulierung der Quelle. Der Datensatz trägt den Provenienztyp quellenkritisch_korrigiert.
Quellenkontext: S23 im Atlas ↗ · Währungsgeschichte: Deutsche Bundesbank ↗
MethodeDirekte Übernahme, analytische Ableitung und quellenkritische Korrektur bleiben unterscheidbar.
Was an einem einzigen Bauwerk zusammenkommt.
SA-KD-004 bezeichnet die Alte Kirche. Hinter dieser Kennung liegt ein Geflecht aus Bauphasen, historischen Ereignissen, Quellen und weiteren Orten.
Die Grafik zeigt als lesbares Beispiel fünf von zwölf Ereignissen, die im Datenbestand direkt mit der Alten Kirche verknüpft sind. Unter jedem Ereignis stehen genau die Quellenkennungen, die für diesen Ereignisdatensatz hinterlegt sind.
Beziehungen der Alten Kirche im Datenmodell
SA-KD-004 Alte Kirche ist mit zwölf Ereignissen verbunden. Gezeigt werden fünf Beispiele: 1144 mit S11, S06 und S14; 1522 mit S11 und S06; 1601 mit S14 und S11; 1762/63 mit S03, S02 und S20; 3. Oktober 1971 mit S14. Zusätzlich ist die Grabstätte von Peter und Irene Ludwig SA-KO-007 direkt mit der Alten Kirche verbunden und hat S29 als Quelle.
S02S03S06S11S14S20S11S06S14S11S06S14S11S03S02S20S14SA-KO-007Grabstätte von Peter und Irene Ludwigunterhalb des Ostchores · Quelle S29MethodeEin Datensatz wird zum Knotenpunkt, sobald gespeicherte Beziehungen ihn mit Ereignissen, Quellen und weiteren Orten verbinden.
Auch die Dichte der Daten gehört zur Aussage.
Zwei bestehende Einzeldenkmäler besitzen derzeit eine offene Datierung: das Wohnhaus an der Brunnenstraße zu Nr. 9 und das Kelterhaus gegenüber Christophorusstraße 1. Ihr Status lautet im Datensatz nicht datiert.
Bei anderen Merkmalen lässt sich die Abdeckung direkt beziffern. Dadurch wird sichtbar, auf welcher Grundlage eine Auswertung steht.
Der Nenner entscheidet mit.
Ein Stilanteil bezieht sich auf die Datensätze mit ausdrücklich vorhandener Stilangabe. Eine Bauform-Auswertung kann dagegen auf alle 45 Denkmal-Datensätze zurückgreifen. Grundgesamtheit, vorhandene Werte und fehlende Angaben gehören deshalb zur Kennzahl.
MethodeBezugsmenge und Ergebnis werden gemeinsam dokumentiert.
Quelle, Qualität und Aussage sind drei Ebenen.
Drei getrennte Angaben beantworten drei verschiedene Fragen: Welche Art von Quelle liegt vor? Wie tragfähig ist sie für den Atlas? Und wie sicher ist die konkrete Aussage, die daraus entsteht?
S14 → EV-007KuLaDig-Datensatz zur Alten Kirche → Ereignis „Eine Kirche an diesem Ort erstmals belegt“S14 ist der denkmalfachliche KuLaDig-Objektdatensatz zur Alten Kirche.
Die Quellenbewertung gehört zum Quellenobjekt selbst und beschreibt seine Verwendbarkeit im Atlas.
EV-007 führt die Ersterwähnung der Kirche 1144 mit dieser Sicherheit und trennt sie ausdrücklich vom Baujahr des erhaltenen Baukörpers.
S02 GDKE-DenkmallisteAmtliche Fachbehördehoch
S44 Theo KölzerWissenschaftliche Fachpublikationhoch
S14 KuLaDigFachliche Sekundärquellemittel-hoch
S36 Statistisches Landesamt RLPAmtliche Statistikhoch
MethodeQuellenart, Quellenqualität und Aussagekonfidenz bleiben getrennt bewertbar.
So sehen Beziehungen aus, bevor sie zur Grafik werden.
Zwei gekürzte Ausschnitte aus dem realen Datenbestand zeigen die technische Ebene hinter der Oberfläche. Die Feldreihenfolge ist für die Lesbarkeit reduziert; Bezeichnungen und Werte entsprechen dem Atlasbestand.
SA-KD-004{
"id": "SA-KD-004",
"bezeichnung": "Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus",
"datierung_text": "spätes 12./frühes 13. Jahrhundert; Umbauten bis 1762/63",
"analyseanker": 1200,
"jahrhundert_zuordnung": [12, 13, 14, 18],
"referenzjahr_ist_analysewert": true,
"quellen_ids": "S02;S20;S03;S14;S11;S06"
}
EV-007{
"id": "EV-007",
"jahr_von": 1144,
"titel": "Eine Kirche an diesem Ort erstmals belegt",
"verknuepfte_objekte": "SA-KD-004",
"quellen_ids": "S11;S06;S14",
"quellensicherheit": "mittel-hoch",
"provenienz_hinweis": "1144 ist kein gesichertes Baujahr der heutigen Kirche."
}
MethodeDie sichtbaren Beziehungen des Atlas haben eine konkrete Entsprechung in den Datenfeldern.
Die Koordinaten bleiben. Der Blickwinkel dreht sich.
Denkmäler und Kulturorte werden über ihre geografischen Koordinaten im Raum verortet. Für die Atlasansicht werden Breiten- und Längengrade zunächst in lokale Meterabstände übersetzt.
Danach wird die gesamte Punktgeometrie gemeinsam gedreht, damit die langgestreckte Lage Sankt Aldegunds die Kartenfläche besser nutzt. Abstände und relative Positionen der Punkte bleiben erhalten. Maßstab und Nordpfeil zeigen die Orientierung im geografischen Raum.
Geografische Punktlage und gemeinsam gedrehte Atlasansicht
Beide Darstellungen zeigen dieselben georeferenzierten Denkmal- und Kulturortpunkte. Rechts ist die gesamte Geometrie als starre Einheit gedreht. Die relativen Abstände der Punkte zueinander bleiben unverändert.
Marker bei engem Bildausschnitt
Clustering ist eine Darstellungsfunktion.
Liegt eine Gruppe von Markern auf dem Bildschirm sehr dicht zusammen, kann die Karte sie vorübergehend bündeln. Beim Vergrößern werden die einzelnen Marker wieder sichtbar. Koordinaten, Kennungen und Datensätze bleiben dabei unverändert.
Eine Grafik ist eine Lesart der Daten.
Für jede Visualisierung wird festgelegt, welche Datensätze einbezogen werden, welche Bezugsmenge gilt, wie Zeiträume gegliedert und wie Kategorien zusammengeführt werden. Bei der Ortskernentwicklung fließen beispielsweise definierte Straßenbereiche, Denkmalobjekte, Koordinaten und zeitliche Analysewerte zusammen.
MethodeGeometrische Position und Darstellungslogik bleiben klar voneinander unterscheidbar.
Ein Ort, viele Datentypen, ein gemeinsames Gefüge.
SA-KDDenkmälerBauwerke und DenkmalbereicheEVEreignissehistorische Vorgänge und ZeitpunkteSQuellenHerkunft und Beleg von AussagenSA-KOKulturorteräumliche und kulturelle BezugspunkteHKKennzahlenhistorische Mess- und AnalysewerteHinzu kommen Datenbereiche zu Bevölkerung, Altersstruktur, Flächennutzung, Wohnen und Ortsnamen. Kennungen, Provenienz und Beziehungen bringen diese Ebenen in ein gemeinsames Datenmodell.
Der Atlas modelliert Sankt Aldegund als Zusammenhang aus Zeit, Raum, Quellen und Beziehungen.