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Kulturdenkmal · SA-KD-035 · Forschungsdossier

Heiligen­häuschen im Bungert

1599 steht am Bau. 1959 gleich daneben. Dazwischen liegt eine Geschichte, bei der sich Überlieferung und belegbare Quelle nicht immer decken.

Klosterkammerstraße · bei Nr. 40VotivkapelleForschungsstand · 23.08.2026
Frontansicht der Bruchsteinkapelle mit rotem Holzgitter, Dachreiter und Kreuz.
Heiligenhäuschen im Bungert · Foto: Ben Thoma · 22. August 2026 · CC BY 4.0
1599Votivkapelle historisch überliefert und am Bau bezeichnet
1959Wände laut Denkmalpflege erneuert
19. Jh.Datierung der heutigen Muttergottes
offenForschungsfragen im aktuellen Stand

Der belastbare Kern

1599 hält dem Quellenvergleich stand.

Die staatliche Denkmalpflege führt die Kapelle als offenen Bruchsteinbau, „bez. 1599“, und vermerkt eine Erneuerung der Wände 1959. Ein zweiter, unabhängiger Strang führt ins Jahr 1887: Philipp de Lorenzi beschreibt für Aldegund ausdrücklich eine 1599 errichtete Votivkapelle mit einer „schmerzhaften Mutter“ auf steinernem Altar.

Damit beruht die Datierung nicht nur auf einer heutigen Tafel. Die am Bau sichtbare Jahreszahl, die Denkmalpflege und die kirchengeschichtliche Überlieferung von 1887 bilden zusammen eine starke Quellenkette. Eine zeitgenössische Stiftungs- oder Bauurkunde von 1599 ist bislang jedoch nicht nachgewiesen.

Detail der roten Holzfront mit den Inschriften 1599 und REN. 1959.
Zwei sichtbare Zeitschichten: „1599“ und „REN. 1959“.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0

Am Bau ablesbar

1599 / 1959

Die Front trägt beide Jahreszahlen unmittelbar übereinander. Für 1959 ist die Quellenlage eindeutig: Die GDKE hält fest, dass die Wände erneuert wurden. Wie weit diese Arbeiten gingen und welche Teile älterer Substanz erhalten blieben, lässt sich aus den bislang ausgewerteten Unterlagen noch nicht bestimmen.

GDKE-Denkmalliste öffnen ↗

Quellen gegeneinander lesen

Was vor Ort erzählt wird – und was sich derzeit belegen lässt.

Die Informationstafel ist selbst eine Quelle für die heutige lokale Überlieferung. Der Atlas übernimmt ihre Aussagen aber nicht automatisch als historischen Befund.

1599Errichtung der Votivkapelle
gut gestützt

GDKE, die am Bau sichtbare Jahreszahl und de Lorenzi (1887) weisen in dieselbe Richtung.

Pest / Cholerakonkreter Bauanlass
nicht belegt

Die heutige Tafel nennt diesen Anlass. De Lorenzi bezeichnet das Gebäude als Votivkapelle, nennt aber keinen konkreten Anlass.

1763Ablass für genau dieses Heiligenhäuschen
Zuordnung offen

De Lorenzi berichtet einen Ablass; das Pfarrarchiv verzeichnet 1856 dagegen ein Ablassbreve „für die Kirche“. Die Originalakte muss die Zuordnung klären.

Pietàheute in der Pfarrkirche
noch unbestätigt

Diese Standortgeschichte steht auf der Informationstafel, ist in den bislang ausgewerteten amtlichen oder kirchlichen Quellen aber noch nicht unabhängig bestätigt.

Steinerne Informationstafel an der Kapellenfassade mit Angaben zu 1599, Prozession und Ablass.
Die Informationstafel dokumentiert die heute vor Ort vermittelte Überlieferung.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0

Ausstattung im Wandel

1887: „schmerzhafte Mutter“. Heute: Madonna mit Kind.

De Lorenzis Bezeichnung verweist auf einen anderen Bildtyp als die heutige zentrale Figur. Die GDKE beschreibt die heutige Ausstattung als „Muttergottes auf dem Wolkenband“ und datiert sie in das 19. Jahrhundert.

Weiter Blick in den Kapellenraum mit Steinboden, Kniebank, Altar und Marienfigur.
Der weite Innenraum mit Steinboden, Kniebank und Altar – die heutige Madonna steht im räumlichen Zusammenhang.Foto: Jennifer Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0
Marienfigur mit Kind auf Wolkenband über dem Altar, flankiert von zwei Engelsfiguren.
Die heutige Muttergottes mit Kind auf dem Wolkenband wird von der Denkmalpflege ins 19. Jahrhundert datiert.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0
Bemalte Bischofsfigur mit Mitra, Krummstab und Weintraube.
Bischofsfigur mit Krummstab und Weintraube an der linken Innenwand.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0
?

Noch nicht bestimmt

Wer ist der Bischof mit der Weintraube?

Mitra, Krummstab und Traube sind sichtbar. Eine belastbare Identifizierung aus den bisher ausgewerteten amtlichen und kirchlichen Quellen fehlt noch. Der Atlas benennt die Figur deshalb bewusst nicht als bestimmten Heiligen.

Zeitspur

Sieben Daten – nicht sieben gleich sichere Aussagen.

  1. Votivkapelle

    De Lorenzi berichtet 1887 von einer 1599 errichteten Votivkapelle; die Jahreszahl steht am Bau und wird von der GDKE geführt.

    stark gestützt
  2. Opferstock „der Kapelle in St. Aldegund“

    Das Pfarrarchiv verzeichnet eine Akte zu Einnahmen eines Opferstocks. Ob damit dieses Heiligenhäuschen oder die damalige Filialkirche gemeint ist, bleibt offen.

    Zuordnung offen
  3. Ablass historisch berichtet

    De Lorenzi nennt einen von Clemens XIII. gewährten Ablass. Die direkte Verbindung zu dieser Votivkapelle ist bislang nicht gesichert.

    Originalbreve noch nicht ausgewertet
  4. Ablassbreve „für die Kirche“

    So lautet der Findbucheintrag des Pfarrarchivs. Gerade diese Formulierung macht die Zuordnung zur Votivkapelle fraglich.

    archivalische Spur
  5. De Lorenzi beschreibt die Votivkapelle

    Er nennt 1599, die „schmerzhafte Mutter“ und eine Prozession am Bartholomäusfest.

    historische Sekundärquelle
  6. Wände erneuert

    Die GDKE vermerkt die Erneuerung; an der Front steht „REN. 1959“. Der Umfang der Arbeiten ist noch zu rekonstruieren.

    belegt
  7. Fotodokumentation des heutigen Zustands

    Elf Aufnahmen dokumentieren Bauform, Inschriften, Informationstafel und Ausstattung am 22. August 2026.

    eigene Dokumentation

Bauzustand 2026

Bruchstein, Schiefer, offene Front.

Längswand und Schieferdach der Kapelle mit kleinem Dachreiter und Kreuz.
Längswand, Schieferdach und Dachreiter mit Kreuz.Foto: Jennifer Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0
Schräger Blick auf Bruchsteinmauerwerk und offene rote Holzfront der Kapelle.
Seitliche Ansicht mit Bruchsteinmauerwerk und offener, rot gefasster Front.Foto: Jennifer Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0
Rotes Holzgitter im Giebel mit Kruzifix und Inschrift REN. 1959.
Das hölzerne Gitter der offenen Front mit Kruzifix und Inschrift „REN. 1959“.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0

Offene Forschung

Die nächste Quelle kann mehrere Geschichten neu sortieren.

Die offenen Punkte sind keine Lücken, die versteckt werden müssen. Sie markieren konkret, welche Akten, Bildquellen oder Objektbeobachtungen noch fehlen.

01

Stiftung 1599

Was war der konkrete Anlass? Für die auf der heutigen Tafel genannte Errettung vor Pest und Cholera fehlt bislang ein unabhängiger Beleg.

02

Marienbild & Ausstattung

Welche „schmerzhafte Mutter“ beschreibt de Lorenzi 1887? Ist sie erhalten? Wann kam die heutige Muttergottes in die Kapelle – und wen zeigt die Bischofsfigur?

03

Ablass & Opferstock

Welches Gebäude meinte der Ablass von 1763 beziehungsweise 1856? Und gehört die Opferstock-Akte von 1681–1717 tatsächlich zu dieser Votivkapelle?

04

1959 & Umfeld

Was wurde 1959 genau erneuert? Welche Rolle spielte die Kapelle im 20. Jahrhundert weiter? Eine Katasterkarte zum Bebauungsplan „Am Bungertsweg“ von 1963 könnte auch das Umfeld dokumentieren.

Fotodokumentation · 22. August 2026

Der aktuelle Zustand als eigene Quelle.

Die Aufnahmen dokumentieren nicht nur das Objekt, sondern auch Details, an denen sich spätere Veränderungen nachvollziehen lassen.

Innenraum der Kapelle mit Altar, Marienfigur, zwei Engeln, Bischofsfigur und Kruzifix.
Altarraum mit Marienfigur, Engelsfiguren, Bischofsfigur und Kruzifix.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0
Seitliche Bruchsteinwand der Kapelle unter einem großen Schieferdach mit Dachreiter.
Längswand der Kapelle mit Bruchsteinmauerwerk, Schieferdach und Dachreiter.Foto: Ben Thoma · eigene Aufnahme, 22. August 2026 · CC BY 4.0

Quellenlage

Vier Schlüsselquellen, eine Fotodokumentation.

Verknüpfte Ereignisse · 2

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