Kulturdenkmal · SA-KD-035 · Forschungsdossier
Heiligenhäuschen im Bungert
1599 steht am Bau. 1959 gleich daneben. Dazwischen liegt eine Geschichte, bei der sich Überlieferung und belegbare Quelle nicht immer decken.

Der belastbare Kern
1599 hält dem Quellenvergleich stand.
Die staatliche Denkmalpflege führt die Kapelle als offenen Bruchsteinbau, „bez. 1599“, und vermerkt eine Erneuerung der Wände 1959. Ein zweiter, unabhängiger Strang führt ins Jahr 1887: Philipp de Lorenzi beschreibt für Aldegund ausdrücklich eine 1599 errichtete Votivkapelle mit einer „schmerzhaften Mutter“ auf steinernem Altar.
Damit beruht die Datierung nicht nur auf einer heutigen Tafel. Die am Bau sichtbare Jahreszahl, die Denkmalpflege und die kirchengeschichtliche Überlieferung von 1887 bilden zusammen eine starke Quellenkette. Eine zeitgenössische Stiftungs- oder Bauurkunde von 1599 ist bislang jedoch nicht nachgewiesen.

Am Bau ablesbar
1599 / 1959
Die Front trägt beide Jahreszahlen unmittelbar übereinander. Für 1959 ist die Quellenlage eindeutig: Die GDKE hält fest, dass die Wände erneuert wurden. Wie weit diese Arbeiten gingen und welche Teile älterer Substanz erhalten blieben, lässt sich aus den bislang ausgewerteten Unterlagen noch nicht bestimmen.
GDKE-Denkmalliste öffnen ↗Quellen gegeneinander lesen
Was vor Ort erzählt wird – und was sich derzeit belegen lässt.
Die Informationstafel ist selbst eine Quelle für die heutige lokale Überlieferung. Der Atlas übernimmt ihre Aussagen aber nicht automatisch als historischen Befund.
GDKE, die am Bau sichtbare Jahreszahl und de Lorenzi (1887) weisen in dieselbe Richtung.
Die heutige Tafel nennt diesen Anlass. De Lorenzi bezeichnet das Gebäude als Votivkapelle, nennt aber keinen konkreten Anlass.
De Lorenzi berichtet einen Ablass; das Pfarrarchiv verzeichnet 1856 dagegen ein Ablassbreve „für die Kirche“. Die Originalakte muss die Zuordnung klären.
Diese Standortgeschichte steht auf der Informationstafel, ist in den bislang ausgewerteten amtlichen oder kirchlichen Quellen aber noch nicht unabhängig bestätigt.

Ausstattung im Wandel
1887: „schmerzhafte Mutter“. Heute: Madonna mit Kind.
De Lorenzis Bezeichnung verweist auf einen anderen Bildtyp als die heutige zentrale Figur. Die GDKE beschreibt die heutige Ausstattung als „Muttergottes auf dem Wolkenband“ und datiert sie in das 19. Jahrhundert.



Noch nicht bestimmt
Wer ist der Bischof mit der Weintraube?
Mitra, Krummstab und Traube sind sichtbar. Eine belastbare Identifizierung aus den bisher ausgewerteten amtlichen und kirchlichen Quellen fehlt noch. Der Atlas benennt die Figur deshalb bewusst nicht als bestimmten Heiligen.
Zeitspur
Sieben Daten – nicht sieben gleich sichere Aussagen.
- Votivkapelle
De Lorenzi berichtet 1887 von einer 1599 errichteten Votivkapelle; die Jahreszahl steht am Bau und wird von der GDKE geführt.
stark gestützt - Opferstock „der Kapelle in St. Aldegund“
Das Pfarrarchiv verzeichnet eine Akte zu Einnahmen eines Opferstocks. Ob damit dieses Heiligenhäuschen oder die damalige Filialkirche gemeint ist, bleibt offen.
Zuordnung offen - Ablass historisch berichtet
De Lorenzi nennt einen von Clemens XIII. gewährten Ablass. Die direkte Verbindung zu dieser Votivkapelle ist bislang nicht gesichert.
Originalbreve noch nicht ausgewertet - Ablassbreve „für die Kirche“
So lautet der Findbucheintrag des Pfarrarchivs. Gerade diese Formulierung macht die Zuordnung zur Votivkapelle fraglich.
archivalische Spur - De Lorenzi beschreibt die Votivkapelle
Er nennt 1599, die „schmerzhafte Mutter“ und eine Prozession am Bartholomäusfest.
historische Sekundärquelle - Wände erneuert
Die GDKE vermerkt die Erneuerung; an der Front steht „REN. 1959“. Der Umfang der Arbeiten ist noch zu rekonstruieren.
belegt - Fotodokumentation des heutigen Zustands
Elf Aufnahmen dokumentieren Bauform, Inschriften, Informationstafel und Ausstattung am 22. August 2026.
eigene Dokumentation
Bauzustand 2026
Bruchstein, Schiefer, offene Front.



Offene Forschung
Die nächste Quelle kann mehrere Geschichten neu sortieren.
Die offenen Punkte sind keine Lücken, die versteckt werden müssen. Sie markieren konkret, welche Akten, Bildquellen oder Objektbeobachtungen noch fehlen.
Stiftung 1599
Was war der konkrete Anlass? Für die auf der heutigen Tafel genannte Errettung vor Pest und Cholera fehlt bislang ein unabhängiger Beleg.
Marienbild & Ausstattung
Welche „schmerzhafte Mutter“ beschreibt de Lorenzi 1887? Ist sie erhalten? Wann kam die heutige Muttergottes in die Kapelle – und wen zeigt die Bischofsfigur?
Ablass & Opferstock
Welches Gebäude meinte der Ablass von 1763 beziehungsweise 1856? Und gehört die Opferstock-Akte von 1681–1717 tatsächlich zu dieser Votivkapelle?
1959 & Umfeld
Was wurde 1959 genau erneuert? Welche Rolle spielte die Kapelle im 20. Jahrhundert weiter? Eine Katasterkarte zum Bebauungsplan „Am Bungertsweg“ von 1963 könnte auch das Umfeld dokumentieren.
Fotodokumentation · 22. August 2026
Der aktuelle Zustand als eigene Quelle.
Die Aufnahmen dokumentieren nicht nur das Objekt, sondern auch Details, an denen sich spätere Veränderungen nachvollziehen lassen.
Quellenlage
Vier Schlüsselquellen, eine Fotodokumentation.
1599 bezeichnet · Wände 1959 erneuert · heutige Muttergottes 19. Jahrhundert.
S51 · historischPhilipp de Lorenzi · 1887Votivkapelle von 1599 · „schmerzhafte Mutter“ · Prozession · Ablassüberlieferung.
S48 · ArchivfindbuchBistumsarchiv TrierAblassbreve 1856 „für die Kirche“ · Opferstock 1681–1717 · mögliche Akten zu 1959 und 1963.
S30 · landeskundlichKuLaDig · Heiligenhäuschen im BungertOrtsname, historische Feldlage und landeskundlicher Kontext des Bauwerks.
Elf Aufnahmen zu Bauzustand, Inschriften, Ausstattung und Informationstafel. Veröffentlichung der hier gezeigten Fotos: CC BY 4.0.

